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DER BLINDE KÖNIG UND SEINE FRAU
SZENE 1. CAFE. INNEN / TAG. Ein kleines gemütliches Cafe mit wenigen runden Holztischen. Große Fenster, viel Licht. Besondere, warme Stille. Gegen 13.00, deshalb auch niemand da – außer dem Verkäufer – BJÖRN, 22, ein typischer Philologie-Student beim Nebenjob. Björn sitzt mit seiner Schürze hinter der Theke und schreibt im Heft – wir hören seinen Gedankenlauf.
BJÖRN (flüsternd) (off) Und dann, nach einiger Zeit, sagen wir, nach 10 Monaten – ich müsste noch recherchieren, wie lange so was dauern würde – da kommt er zu ihnen… hmm… er sieht sie an und… Ja gut, aber was dann? Was hat er ihnen zu sagen?
Er ist so zerstreut beim Phantasieren, dass er gar nicht merkt, dass sich jemand ihm annähert.
MONA (off) Ein Cappuccino bitte.
Björn schaut die Kundin in Gedanken verloren an, sieht sie aber nicht wirklich.
BJÖRN (flüsternd) (off) Ja, er könnte sie nach einem Cappuccino fragen…
Er kommt zu sich. Vor ihm steht MONA, gegen 30, lächelt ironisch und hält einen kleinen Feldblumenstrauß in der Hand.
BJÖRN Oh, sorry! Ich meine… was? Ein Cappuccino? Kommt sofort.
Er bereitet nervös den Cappuccino und wird dabei von Mona beobachtet.
MONA Du schreibst.
BJÖRN Ja, das tue ich in der Tat…
MONA Ich habe dich mehrmals beim Schreiben beobachtet.
Nach diesen Worten dreht sie sich um und geht zu einem der Tische. Jetzt hat sie seine volle Aufmerksamkeit – während er den Cappuccino bereitet, beobachtet er sie mit einem unsicheren Lächeln.
BJÖRN (laut, mit falscher Bescheidenheit) Wissen Sie, ich arbeite da gerade an einer Geschichte…
MONA (setzt sich hin) Eine Geschichte, mhm…
BJÖRN (geht mit der Tasse zu ihr rüber) Ja, über einen jungen Mann…
MONA Über wen denn sonst…
BJÖRN (kommt zu ihrem Tisch) Wie meinen Sie das?
MONA (seufzt) Ein junger Mann schreibt über einen jungen Mann. (macht einen Schluck) Auch noch dazu stirbt da unbedingt jemand. (greift nach der Zuckerdose) Stimmt’s?
BJÖRN Ja, aber…
MONA Tragisch, wirklich tragisch. (zeigt die leere Zuckerdose)
Etwas verwirrt kommt Björn mit der Zuckerdose hinter die Theke und hört halb umgedreht zu.
Ein junger Mann schreibt über Liebe, Leidenschaft und Tod – und dabei hat er nicht mal vergleichbares erlebt.
BJÖRN Woher wissen Sie das?
MONA Bekommst du immer eine Antwort auf deine Fragen?
BJÖRN Machen Sie sich lustig über mich?
MONA Sehe ich so alt aus, dass du zu mir sietzen musst?
BJÖRN Machst du dich über mich lustig?
Sie steht auf, lässt das Geld auf dem Tisch liegen, geht zur Tür und dreht sich zu ihm um.
MONA Kommst du mit?
Pause, in der man glaubt, dass Björn überlegt, - in Wirklichkeit wählt er ganz schnell eine Nummer auf seinem Handy an.
BJÖRN (ins Handy) Martin, kannst du für ein paar Stunden für mich einspringen?
Die Fortsetzung folgt.
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